Zitat des Monats (Mai 2010)"Der Schauspieler muss den Text des Stückes in die Musik seines Gefühls setzen und sie auf die Worte der Rolle übertragen. Erst wenn wir die Melodie der lebendigen Seele vernehmen, können wir die Schönheit des Textes und alles, was er in sich birgt, gebührend einschätzen."
Konstantin Sergejewitsch Stanislawski, "Die Arbeit des Schauspielers an sich selbst", Band 2, Zweitausendeins, 1963._ARCHIV (Hier finden Sie die Nachrichten und Zitate der vergangenen Monate)
Sprechcoaching für "Hamlet" (April- Mai 2010)"Sein, oder nicht sein". Wohl das bekannteste Shakespeare Zitat beschäftigt mich bis zum 8. Mai 2010. In dieser Zeit betreue ich die Schauspieler des
Mageburger Theaters als Sprechcoach.
"Die müssen das doch können!", denken Sie jetzt vielleicht.
Stimmt. Eigentlich.
"Sind doch alles Profis."
Aber nach nur einem Jahr Bühnenerfahrung oder über zwanzig -
es schleichen sich Gewohnheiten ein, die das Sprechen beeinträchtigen:
- ein Zwerchfell das nicht mehr frei schwingt, zum Beispiel durch Leistungsdruck oder Versagensängste.
- eine träge, untrainierte Zunge
- diskrete Hörstörungen, die die hohen Frequenzen, also die Zischlaute stumpf machen
- Verspannungen in Nacken oder Kehlkopfmuskulatur, die ein harmonisches Schwingen der Stimmlippen verhindern.
Die Herausforderungen sind unterschiedlich und vielfältig.
Für mich bedeutet es zunächst, das Stück nochmal sehr intensiv zu lesen und auch in mehreren Übersetzungen zu durchdringen. Ich mache mir dabei das Shakespearsche Versmaß bewusst um mir selbst den Rhythmus der Sprache anzueignen. Die vielen Metaphern aus der griechischen Mythologie und die Aussagen des Stücks insgesamt will ich erstmal richtig verstehen und nachempfinden. Es geht darum, für mich selbst herauszufinden, um was es eigentlich geht. Wer das wirklich verstanden hat, findet auch die passende Betonung.
Was die Schauspieler betrifft, so ist es meine Aufgabe, sehr flexibel und individuell auf den einzelnen Menschen einzugehen. Dabei führen mich meine feinen Ohren - sie sind mein Kompaß für das, was vermittelt wird, was ankommt, was gesprochen wird.
Dank meiner langen Erfahrung finde ich immer konkrete Übungen und Hilfestellungen. Ich gebe klares Feedback. Ich nehme auch mein Aufnahmegerät mit, sodaß sich jeder selbst einschätzen kann.
Die größte Herausforderung: Shakespeare's geniale Sprache zu greifen, und sich zu eigen zu machen. Das heisst: Klare Gedanken formulieren und kommunizieren. Messerscharf denken. Etwas über sich selbst aussagen.
Auch wenn Sie sich das vielleicht nicht vorstellen können - diese Arbeit bereichert mich ungemein.
Meine liebste Stelle im Stück: neben den wunderbaren großen Hamlet-Monologen eine ganz kleine Szene zwischen Hamlet und den Kumpanen Rosencrantz und Guildenstern. Hamlet entdeckt die beiden Lauscher an der Wand und
stellt sie zur Rede:
- "Na, wie geht's?" fragt er.
Und peinlich berührt antwortet Rosencrantz
Wie er das sagt ist wahnsinnig komisch.
Am 8. Mai ist Premiere. Am besten,
selber hingehen und anschauen!
Zitat des Monats: "Suit the action to the word,
the word to the action"
(Hamlet)
Zitatarchiv"Ich will!"
Das Wort ist mächtig
spricht's einer ernst und still
die Sterne reißt's vom Himmel
das eine Wort: "Ich will!"
Johann Wolfgang von Goethe "Angst klopfte an. Vertrauen öffnete. Niemand war draußen".
Chinesisches Sprichwort"Viele derjenigen, die im Theater Texte vor sich hin dekonstruieren, sind nicht einmal an nüchternenen Tagen dazu in der Lage, auch nur einen einzigen Satz verständlich bin in die letzte Sitzreihe zu transportieren. Und das gilt nicht nur für das Theater, sondern zunehmend auch für den deutschen Film.
Neulich sah ich einen, in dem angeblich supertolle junge deutsche Schauspieler ambitioniert spielten, den Titel habe ich schon wieder vergessen. Ich musste leider umschalten, weil ich kein einziges Wort verstanden habe. Für manche Schauspieler scheint die deutsche Sprache ausschließlich aus Konsonanten zu bestehen. Es ist furchtbar.
Was, bitte schön, ist gegen einen klitzekleinen Vokal zu sagen? Was habt ihr eigentlich dagegen, beim Sprechen euer Maul zu öffnen? Kann es sein, dass ihr ganz einfach nichts zu sagen habt? Hä?"
Jan Weiler, In meinem kleinen Land, Rowohlt Taschenbuch Verlag, 2008, S. 251"Bücher lesen heißt
wandern gehen in ferne Welten,
aus den Stuben, über die Sterne. "
Jean Paul (1763-1825) "Meine Stimme hat sich verändert, das ist richtig.Ich denke nicht mehr so viel darüber nach, wie ich zu klingen habe, meine Stimme ist viel mehr ein Teil meines Selbst, meiner Hände, meiner Beine, meines Körpers.Ich fühle mich mit dieser Stimme viel authentischer als zuvor, weil alles, was herauskommt Gegenwart ist das Zentrum. "
Jazzsängerin Rebekka Bakken, in:Jazzzeit Nr.53, März/April 2005