Wieso ist das Wort "Artikulation" für Film-Schauspieler ein rotes Tuch?

„Film-Schauspieler reagieren sehr empfindlich auf das Wort „Artikulation“.
das wurde mir berichtet, als ich meinen Kurs „Stimme, Artikulation, Präsenz“ für Schauspieler ausschrieb.
Und ich wurde gebeten, mir einen anderen Titel auszudenken.

Warum eigentlich ist das so? Was ist gegen das Wort Artikulation einzuwenden?

Wird es von vielen immer noch als eine Art manieristisches Schönsprechen a´la "Barbara saß nah am Abhang" empfunden, Sprecherziehung mit einer anachronistischen, artifiziellen, ausgestellten Sprechweise mit rollendem r, weit geöffnetem Kiefer und sichtbarer Sprechanstrengung assoziert? Kleiner Hey forever??

Oder liegt es an den Regisseuren, deren Bild von "Sprecherziehung" auf dem Stand von 1950 stehen geblieben ist und deshalb allen Schauspielern empfehlen, bloß nicht "zu deutlich" zu sprechen?

Jetzt mal Klartext:
Als Zuschauerin oder Zuhörerin erwarte ich von einem Schauspieler vor allem eins: dass er glaubwürdig handeln kann. Sprechen ist Handeln.
Ein Schauspieler, der nichts zu sagen hat, interessiert mich nicht.
Ein Schauspieler, der nicht zu verstehen ist, ebenfalls,

In der Vermittlung, also Kommunikation seiner Gedanken und Gefühle liegt die Kunst und für diese Vermittlung brauchen wir einen bewegten Körper, Mimik und Gestik, genau so, wie eine resonanzreiche Stimme die unsere Gefühle transportiert und Sprechorgane, die unsere Gedanken so ausformulieren, dass andere Menschen sie verstehen. Als gesprochene Sprache.

Klare Gedanken ermöglichen eine klare Artikulation und wenn ein Schauspieler weiß, wer er ist, warum, was und wann er zu wem spricht, artikuliert er in der Regel gut. Das heißt nicht mehr und nicht weniger als: verständlich und glaubwürdig.

Mal geflüstert, mal leise und sinnlich, mal sachlich kühl, mal schneidend, gebrüllt....

Effizientes Sprechtraining beeinhaltet die Arbeit an Atem, äußerer und innerer Haltung ( richtig: auch schauspielerischer Intention!), klaren Gedanken, Stimme und Resonanz, Präsenz und selbstverständlich auch die Arbeit an unseren Sprechwerkzeugen- Lippen, Kiefer, Zunge, Gaumensegel.

Sprecherziehung im 21. Jahrhundert versteht Sprechen als Ausdruck der gesamten Person und genauso ist auch der Unterricht aufgebaut. Im Zentrum steht der sprechende Mensch.

Ziel ist es, jederzeit ein geschmeidig gestimmtes Instrument zur Verfügung zu haben, auf dem wir alle Skalen der menschlichen Ausdrucksweisen spielen können- ohne Anstrengung- echt, glaubwürdig und von Herzen.

Besonders geeignet ist dafür die Methode nach Prof. Linklater.

Stimm- und Sprechtraining nach Linklater ist ein praktisches Lehrwerk zur Wiederherstellung einer umfassend wirksamen menschlichen Stimme. Stimmtraining nach Linklater ist unter dem Namen Freeing the Natural Voice seit über vierzig Jahren fester Bestandteil professioneller Schauspielausbildung in englischer Sprache. Es stößt seit Mitte der neunziger Jahre auch im deutschen Sprachraum auf zunehmendes Interesse.Die menschliche Stimme kann jegliche Vielfalt von Emotionen und Feinheit von Gedanken ausdrücken. Mit ihrem natürlichen Umfang bis vier Oktaven kommuniziert sie direkt und unmittelbar. Sie enthüllt die Person, die durch sie spricht, auf endlos neue Weise.

Die logisch aufgebaute Abfolge von Übungen wurde von der aus Schottland stammenden Schauspielerin und Lehrerin Prof.Kristin Linklater ( Columbia Highschool New York)entworfen.Ihr Ziel ist eine befreite Stimme, die durch ihre Reaktionsbereitschaft auf komplexe Impulse mit facettenreicher Klangvielfalt antworten kann.

Grundlegend wichtig für die Schauspielerei- ganz gleich, ob für die Bühne oder den Film.

Körperliche Wahrnehmung und Entspannung leiten diesen Prozess ein. Ein Katalog lückenlos voranschreitender Übungen dient der ständigen Aktivierung und Freisetzung innerer Impulse. Eine detailreiche, das Vorstellungsvermögen anregende Bildsprache und anatomisch-technische Anweisungen geben sich dabei die Hand. Es folgen die Wahrnehmung der natürlichen Atmung und die «Berührung des Tons» als kinästhetische Erfahrung. Klang resultiert aus Gedanke und Emotion. Nun verlagert Linklater die Eigenwahrnehmung vom bewertenden Hören zum Fühlen von Vibrationen. Diese wandern durch einzelne Knochen, finden Widerhall in Brustkorb, Wangenknochen, Nasenbein, Nebenhöhlen und in der Kuppel des Schädels. Störende Einflüsse durch Verspannungen in Kiefer und Zunge oder einen schwerfälligen Gaumen werden mit präzisen Übungen zur Befreiung des Kanals bearbeitet. Ist der Weg durch den Körper frei, kann die Kräftigung der Stimme durch Hinwendung zu den einzelnen Resonatoren und der Vervollständigung des Tonumfangs anschließen. Übungen zur Artikulation führen jetzt zurück zum Gebrauch der Sprache.

Am Ende steht dem eloquenten Geist sein natürliches Instrument zur Verfügung, bereit und willens, durch ihn geformt aber nicht behindert zu werden.
Sprechen in Berlin - Sprecherziehung, Logopaedie, Stimme, Artikulation, Praesenz - Christine Kugler
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Links | Impressum | Zuletzt aktualisiert am: 13/8/2011
Christine B. Kugler - Möckernstr. 68, 10965 Berlin, EG rechts im Hof, Kreuzberg bietet Sprechtraining, Sprechunterricht, Logopädische Stimmtherapie, Coaching für Stimme und Sprechen, Voicework nach Prof. Linklater. Lesen Sie hier wie zufrieden meine Kunden sind über z.B. die Arbeit an Bühnenpräsenz, Präsentationen und Schauspielunterricht/Monologarbeit! ( Qype Gesamtbewertung: *****)